Das Neue Testament

Kreuz auf Bibelseite

Was steckt dahinter?

Das Neue Testament (kurz: NT) ist insofern etwas Besonderes, weil es nicht nur eine neue Religion begründet hat, sondern im selben Atemzug auch noch deren Entstehung (auf gewisse Art) dokumentierte. Dadurch hat es nicht nur einen religiösen, sondern auch einen historischen Wert, auch wenn es natürlich keine authentische Geschichtsschreibung beinhaltet. Der Übergang von einem rachsüchtigen und grausamen Gott im Alten Testament hin zu einem gütigen und vergebenden Gott im neuen Testament markiert zudem eine gesellschaftliche und ethische Kehrtwende, die moderne Moralvorstellungen überhaupt erst möglich gemacht hat. Grund genug, sich ein wenig mit den Hintergründen des Neuen Testaments zu beschäftigen.

Welche Schriften gehören zum Neuen Testament?

Wenn man den Inhalt des NT bespricht, müssen natürlich die vier Evangelien an erster Stelle genannt werden. Nicht nur sind diese der markanteste Teil des Neuen Testaments, sie stehen auch rein von der Reihenfolge her an erster Stelle. (Was sicherlich kein Zufall ist) Doch woher kommt diese Bezeichnung eigentlich? Das Wort „Evangelium“ hat griechische Wurzeln und bedeutet grob übersetzt „gute Botschaft.“ Eine Sammlung von vier „guten Botschaften“ also. Schauen wir uns die doch mal genauer an.
Den Anfang macht das Evangelium nach Matthäus, der umfangreichste der vier Texte. Der Fokus liegt dabei auf der Feststellung, dass mit Jesus endlich der im Alten Testament angekündigte Messias gekommen ist. Daraus erklärt sich auch, weshalb in Matthäus so häufig das Alte Testament zitiert wird: Es werden die Bezüge wischen AT und NT herausgearbeitet. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich das Matthäus-Evangelium ursprünglich an Judenchristen richtete, denen man die Konvertierung mit den vielen Bezügen zu vertrauten Schriften einfacher machen wollte. Bedenkt man, dass der Text etwa 70 n Chr. geschrieben wurde, macht das vom Zeitfenster her auch durchaus Sinn, denn die Missionierungsarbeit der Christen steckte damals noch in den Kinderschuhen und brauchte überzeugende Argumente.
Weiter geht es mit dem Evangelium nach Markus, der kürzesten der vier Schriften. Der Erzählstil ist hier weniger ausgeschmückt und fast schon sachlicher Natur. Der Fokus liegt auf dem Wirken und Sterben des erwachsenen Jesus, der bei Markus häufig auch menschliche Schwächen zeigt. Die Erzählung wird dadurch greifbarer, was in Kombination mit der Kürze der Schrift einen sehr markanten Eindruck hinterlässt. Markus beschränkt sich sowohl inhaltlich als auch sprachlich auf das Wesentliche. Interessant ist, dass das Markusevangelium das älteste aller Evangelien ist. Eigentlich sollte man eher davon ausgehen, dass eine heruntergebrochene Version erst nach den ausführlichen Fassungen erscheint. Hier war das anders.
Als drittes folgt dann schließlich das Evangelium nach Lukas. Und auch hier hat die Schrift ihre Besonderheiten sowie Alleinstellungsmerkmale. Besonders erwähnenswert ist, dass im Markusevangelium der Anspruch erhoben wird, tatsächliche Geschichte zu dokumentieren. In keinem der anderen Evangelien erheben die Autoren den Anspruch, als Geschichtsschreiber tätig zu sein. Und das aus gutem Grund. Die Evangelien sind allesamt Jahrzehnte nach dem Tod von Jesus entstanden. Das heißt die Schreiber mussten sich auf mündliche Überlieferungen verlassen, die Zeitzeugen waren schließlich nicht mehr am Leben. Die grundsätzliche Botschaft von Jesus einzufangen, das war ihnen damals noch möglich. Aber für eine korrekte historische Abbildung war es leider zu spät. Erst recht wenn man bedenkt, dass das Lukasevangelium erst 80-90 n- Chr. verfasst wurde, kann der historische Dokumentationsanspruch von Lukas nicht ernst genommen werden. Trotzdem ist das Lukasevangelium es Wert, gelesen zu werden. Denn hier wird wunderbar herausgearbeitet, dass Gottes Pläne mit dem Tod von Jesus nicht etwa scheiterten, sondern ihre Vollendung fanden.
Das letzte Evangelium im Bunde ist dann schließlich das Evangelium nach Johannes, das natürlich auch seine Besonderheiten mit sich bringt. Denn Johannes war der Lieblingsjünger von Jesus, ein Evangelium aus dessen Blickwinkel verspricht da interessante Lektüre. Man merkt der Schrift aber deutlich an, dass sie über 100 Jahre nach dem Tod von Jesus verfasst wurde. Dem Leser werden nicht länger nur die Botschaften von Jesus nahegebracht, sondern der Text lenkt die Interpretation sehr deutlich in Richtung der Heilsbedeutung vom Wirken Jesu. Die Lektüre kann trotzdem recht interessant sein, mir persönlich gefällt das Johannesevangelium jedoch von allen am wenigsten.
Was auf die Evangelien folgt ist schließlich die Apostelgeschichte. Dabei handelt es sich um eine Art Fortsetzung des Lukasevangeliums. Das älteste Sequel der Welt, wie ich es ganz gerne nenne. Von zentraler Bedeutung sind hier das Pfingstereignis und das anschließende Aussenden der Jünger. Wir erfahren interessante Dinge zur Jerusalemer Urgemeinde, dem Märtyrer Stephanus (nebenbei bemerkt der erste Märtyrer), Jakobus den Gerechten und natürlich Apostel Paulus. Letzterem ist die gesamte zweite Hälfte gewidmet, die die wichtigsten Stationen seines Lebens beschreibt, von der Konvertierung bis hin zu seinem implizierten (aber nicht direkt dargestellten) Tod.
Nach der Apostelgeschichte wird es ein bisschen chaotisch. Insgesamt 21 Briefe, die sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen und aus verschiedenen Perspektiven verfasst wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Verfasserschaft bei kaum einem der Briefe endgültig nachgewiesen werden konnte. Das macht die Lektüre anstrengend und recherchelastig.
Den Anfang machen hier die Paulusbriefe, auch Corpus Paulinum genannt. Wirklich von Paulus verfasst sind dabei nach aktueller Mehrheitsmeinung die folgenden Briefe:

  • Der Römerbrief
  • Die Korintherbriefe
  • Der Galaterbrief
  • Der Philipperbrief
  • Der Thessalonicherbrief
  • Der Brief an Philemon

Die restlichen Briefe aus dem Corpus Paulinum, auch „Deuteropaulinen“ genannt, werden den Schülern von Paulus zugeordnet:

  • Der zweite Thessalonicherbrief
  • Epheserbrief
  • Die Briefe an Timotheus
  • Der Brief an Titus

Ein extrem umstrittener Fall ist der Kolosserbrief. Bisher konnten sich die Experten nicht darüber einig werden, ob es sich um einen authentischen Brief von Paulus handelt oder einer seiner Schüler der Verfasser war.
Da macht es sich der Hebräerbrief deutlich einfacher. Dieser nennt schlicht und einfach keinen Verfasser, weshalb sich jegliche Diskussion diesbezüglich von selbst erledigt. Es stand zu Zeiten der Alten Kirche wohl einmal zur Diskussion, dass Paulus der Verfasser sein könnte, diese Annahme ist aber pur spekulativ und wird heutzutage weitestgehend als Fehlschluss angesehen. Trotzdem stolpert man immer noch über Bibelfassungen, in denen der Hebräerbrief Teil des Corpus Paulinum ist.
Die katholischen Briefe tragen einen für die heutige Zeit etwas irreführenden Namen. Denn „katholisch“ hat an dieser Stelle nichts mit der katholischen Kirche zu tun, sondern mit dem griechischen Wort „katholikos“, was „allgemein“ oder „umfassend“ bedeutet. „Allgemein“ deshalb, weil die Briefe sich nicht an eine Einzelperson, sondern an alle Christen richten. Für die katholischen Briefe werden zwar Verfasser wie Petrus, Johannes, Jakobus oder Judas genannt, die überwiegende Zahl der Theologen hält dies jedoch für Falschangaben.
Die Offenbarung des Johannes schließt dann letztlich die Sache ab. Und an und für sich wurde über den stellenweise absurden Inhalt dieser Schrift schon alles gesagt, was es zu sagen gibt. Man kann durchaus versuchen, die ungewöhnlichen Apokalyptischen Vorstellungen von Johannes zu interpretieren und in ihnen Sinn zu suchen. Aber die teils grundlegend verschiedenen Interpretationen und das Fehlen eines wie auch immer gearteten Konsens führen mich immer mehr zu der Meinung, dass es halt auch einfach ein klein wenig Quatsch in die Bibel geschafft hat.
Damit wäre unser Rundgang durch das Neue Testament abgeschlossen. Was offen bleibt ist die Frage, welchen Einfluss es auf die Welt genommen hat.

Der Einfluss des Neuen Testaments

Die Auswirkungen des Neuen Testaments sind unglaublich groß, sowohl im religiösen als auch im gesellschaftlichen Sinne. Es markiert einen Paradigmenwechsel, der immer noch andauert. Und das fast 2000 Jahre später.

  • Vergebung statt Vergeltung
    Statt eines jähzornigen und rachsüchtigen Gottes wird nun ein vergebender und gütiger Gott in den Fokus gerückt, der auch nicht davor zurückschreckt, sich selbst zu opfern. Ein unglaublich wichtiger Schritt, besonders wenn man bedenkt, dass wir laut Bibel nach dem Bild Gottes geschaffen wurden. Wenn wir in einer gütigen Gesellschaft leben möchten, muss Gott also den Anfang machen. – Was er durch Jesus Christus getan hat.
  • Erhebung der Armen
    Erst durch das Wirken Jesu wurde den Armen offenkundig gemacht, dass Gott sich auch um ihre Belange sorgt und kümmert. Das Versprechen von Jesus, dass kein Reicher Mensch ins Himmelreich auffahren wird, ruft zur Unterstützung der Armen auf und spendet ihnen Trost in dem Wissen, dass sie das Paradies erleben werden.
  • Frieden statt Krieg
    Die Botschaft des Friedens ist ebenfalls enorm wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen auf einem Rekordtief angelangt ist. Wir haben ohne Frage noch einen weiten Weg vor uns, bis die gesamte Erde in Frieden leben kann, aber seinen Anfang nahm diese Entwicklung mit dem Neuen Testament und der damit einhergehende Botschaft des Friedens.
  • Miteinander statt gegeneinander
    Jesus rief nicht ohne Grund dazu auf, für Un- oder Andersgläubige zu beten. Denn er verstand, dass eine Missionierung nur ohne Druck wirklich und wahrhaftig erfolgreich sein kann. Und er verstand auch, dass eine gescheiterter Missionierungsversuch keine Gewaltakte legitimiert. Wer Menschen zu Gott führen möchte, um ihre Seelen zu retten, der hat keinen Grund Andersgläubigen feindselig gegenüber zu treten. Heute selbstverständlich, aber damals noch eine weitaus weniger verbreitete Idee.

Auch die Auslegung des Neuen Testaments dauert bis heute an. Es gibt immer noch sehr viele Passagen, über deren Bedeutung sich die Experten nicht einig sind oder bei denen berechtigte Zweifel an der aktuellen Auslegung bestehen.
Hinzu kommt noch das Problem, dass nach der Auslegung die gewonnenen Erkenntnisse ihren Weg in den Glaubensalltag finden müssen. Wegweisend ist in dieser Hinsicht die Zeitschrift für Neues Testament, kurz ZNT.

ZNT – Zeitschrift für Neues Testament

Die Zeitschrift für Neues Testament erscheint seit dem Jahr 1998 im halbjährlichen Rhythmus, mit jeweils einer neuen Veröffentlichung in April und Oktober. Die Abgabefrist für Manuskripte ist für die Oktober-Ausgabe am 30. April und für die April-Ausgabe am 30. Oktober. Bei verspäteter Abgabe muss der Autor damit rechnen, dass sein Beitrag ohne Rücksprache gekürzt wird.
Erhältlich ist die ZNT entweder im Einzelkauf oder im Abo, wobei Studenten einen Preisnachlass bekommen. Vertrieben wird sie vom Francke-Verlag, über den auch die Bestellung getätigt werden kann.
Nach aktuellem Stand (Oktober 2015) sind 35 Hefte erschienen. Doch welchen Themen widmet sich die ZNT eigentlich? Und an welche Zielgruppe richtet sie sich?

Die Zielgruppe der ZNT

Die Zeitschrift für Neues Testament richtet sich an ein etwas gehobenes Publikum. Die verwendete Sprache ist auf einem gehobenen Niveau und es werden recht viele Fachkenntnisse vorausgesetzt. Wer kein Theologie-Studium hinter sich gebracht hat, der wird aller Wahrscheinlichkeit nach während der Lektüre ein wenig recherchieren müssen. Die ZNT richtet sich also an Akademiker aus dem Fachbereich Theologie, Mitarbeiter der Kirchen und leidensfähige Laien.

Die Herausgeber der ZNT

Herausgegeben wird die Zeitschrift für Neues Testament von insgesamt drei Personen:

  • Stefan Alkier
    Ist Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Johann Wolfgang Goethe-Universität im Fachbereich Evangelische Theologie.
  • Eckart Reinmuth
    Professor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock
  • Manuel Vogel
    Professor für Neues Testament an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Darüber hinaus sind an der Herausgabe folgende Personen beteiligt:

  • Peter Busch
  • Axel von Dobbeler
  • Ute E. Eisen
  • Richard B. Hays
  • Matthias Klinghardt
  • Günter Röhser
  • Thomas Schmeller
  • Christian Strecker
  • Francois Vouga
  • Jürgen Zangenberg

Das Konzept der ZNT

Hinter der Zeitschrift für Neues Testament steckt nicht unbedingt das, was man erwarten würde. Denn Ziel der Zeitschrift ist keineswegs, eine umfassende und kleinschrittige Exegese des Neuen Testaments vorzunehmen. Statt um die kleinen Details geht es in der ZNT ums große Ganze. Was sind die zentralen Botschaften des Neuen Testaments? Und wie kann man diese im Alltag anwenden?
Im Gegensatz zu klassischer exegetischer Lektüre steht hier also auch eine praktische Komponente mit im Vordergrund, durch die die Themen aus ihrer theoretischen Parallelwelt entnommen und greifbar gemacht werden. Das stellt einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert für alle Christen dar, denn viel zu oft verlieren sich Diskussionen in den Gefilden der Theorie.
Die ZNT legt dabei jedoch nicht primär den Fokus auf diese praxisorientierte Komponente. Vielmehr versteht sie sich als Bindeglied zwischen der eher abstrakten Religionswissenschaft und gelebten, christlich-gesellschaftlichen Normen. Durch die große Kluft zwischen diesen beiden Parteien leistet die ZNT damit einen elementaren Beitrag zur Weiterentwicklung des christlichen Wertesystems. Und wenn irgendwo Nachholbedarf besteht, dann in den dunklen Ecken christlicher Moral. Nach wie vor ist die Gleichstellung von Homosexuellen ein Problem, nach wie vor dürfen Frauen nicht in jeder christlichen Glaubensrichtung das Priesteramt annehmen.
Der Aufbau der einzelnen ZNT-Ausgaben folgt stets demselben Schema, das die folgenden Rubriken enthält:

  • Neues Testament aktuell
    Hier werden aktuelle Erkenntnisse aus der theologischen Forschung vorgestellt und erläutert. Auch über in der Forschung strittige Themen wird oft berichtet. Das oberste Ziel ist es dabei, den Leser möglichst schnell und objektiv über beide Seiten der Diskussion aufzuklären.
  • Einzelbeiträge
    Hier werden verschiedenste Fragestellungen behandelt, allerdings nur mit Einzelbeiträgen. Diese Rubrik soll eher einen schnellen Einblick gewähren und zur Auseinandersetzung mit den Themen anregen. Eine umfassende Analyse wird im Regelfalle nicht geliefert.
  • Kontroverse
    Hier wird genau das geliefert, was die vorige Rubrik nicht bietet und im Titel dieser Kategorie versprochen wird. Es geht um die Beleuchtung verschiedener Standpunkte zu einem Thema und das Abwägen der Argumente aller Parteien.
  • Hermeneutik und Vermittlung
    Hier kommt das Kerngebiet der ZNT schwer zum Tragen. Methodische Probleme im praktizierten Glauben werden genauso angesprochen wie die Frage danach, auf welche Weise exegetische Erkenntnisse ihren Weg in die Glaubenspraxis finden können und sollen.
  • Buchreport
    Der Buchreport in der ZNT ist insofern besonders, als dass er sehr fokussiert vorgeht. Statt mehrere Bücher vorzustellen, wird der Fokus auf ein einzelnes Werk gelegt. Dadurch kann viel mehr in die Tiefe gegangen werden, bis hin zu einem Niveau, das man in anderen Buchbesprechungen vergeblich sucht.
    Typischerweise werden zwei Arten von Büchern vorgestellt:

    • Bücher, die in der Öffentlichkeit Wellen geschlagen haben
    • Bücher, die von den Herausgebern als lesenswert eingestuft werden

Ausgenommen von diesem Schema sind gelegentlich erscheinende Sonderhefte, die sich jeweils komplett einem Thema verschreiben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*