Die geistliche Meckerhotline

Ein zukunftsweisendes Pilotprojekt?

Eine Meckerhotline direkt zum Priester, so in etwa könnte man das neue Modell beschreiben, das zwei Geistliche aus Regensburg seit kurzer Zeit erproben. Johann Ammer und Manfred Strigl haben nicht nur ihre Handynummern öffentlich gemacht, sondern auch dazu aufgefordert, bei Beschwerden über die Kirche doch einfach mal persönlich anzurufen. Auch bzw. gerade dann, wenn man bereits aus der Kirche ausgetreten ist. Ein Angebot, das offenbar rege genutzt wird.

Viel Gesprächsbedarf

An manchen Tagen können es schon mal 10 Anrufe werden, die für jeden der beiden Priester eingehen. Die Länge und Intensität der Gespräche variiert dabei. Manch einer möchte nur kurz und knapp eine sachliche Kritik äußern oder ggf. zu einem Thema Details erfragen. Andere wiederum drücken ihren Frust ausführlich und ziemlich direkt aus. Zwischen 15 und 45 Minuten dauern die meisten Gespräche. Nimmt man eine Länge von 3o Minuten als Mittelwert an, sind das bis zu 5 Stunden täglich, die Ammer und Strigl investieren. Ein Engagement, das leider Gottes nicht selbstverständlich ist und man definitiv positiv würdigen sollte. Denn nichts ist wichtiger als der Dialog.

Tiefgehende Gespräche

Erstaunlicherweise rufen zumeist Leute an, die sich speziell von der Institution Kirche abgewandt haben und nicht vom Glauben allgemein. Diesen Anrufern ist es besonders wichtig, ihren Schritt zu begründen und so vielleicht einen kleinen Beitrag zum Wandel der katholischen Kirche beitragen zu können, der sie als Gemeinschaft immer noch eine große emotionale Bedeutung zumessen.
Klassische Kritikpunkte sind Korruptionsskandale und überproportionierte Baumaßnahmen. Auch die intransparente allgemeine Verwendung der Kirchengelder wird oftmals kritisiert.
Sehr häufig angesprochen wird jedoch außerdem ein gewisses Gefühl der Entfremdung. Wenn der Pfarrer keine Zeit mehr für persönliche Gespräche hat, weil er zu viele Gemeinden betreuen muss oder die Texte in der Predigt zu weit von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt sind, dann stellt sich natürlich schnell die Frage nach dem Sinn der Institution Kirche.
Der Umgang mit dieser Kritik, die ja oftmals durchaus auch ihre Berechtigung hat, ist nicht immer ganz einfach. Denn nicht selten wird sie auch recht engagiert vorgebracht. Da heißt es ruhig bleiben und Verständnis zeigen. Auch handfeste Wutausbrüche sind letztlich nur ein Ausdruck der Enttäuschung über die Kirche. Strigl versucht dabei stets die Möglichkeit aufzuzeigen, etwas aus dem inneren heraus zu verändern. Denn den eigenen Mitgliedern kann die Kirche sich schwerer entgegenstellen als externen Kritikern.
Und oftmals regt das die Anrufer durchaus zum Nachdenken an. Nur ein Bruchteil davon wird letztlich dann tatsächlich wieder in die Kirche eintreten, aber gegenseitiges Verständnis und der Abbau von Feindbildern sind für sich genommen auch schon ein großer Erfolg.

Ansätze für die Zukunft

Unter anderem auch aus diesen Gesprächen heraus manifestieren sich für die beiden experimentierfreudigen Priester zwei Grundproblematiken heraus:

  1. Priester sind mit zu vielen Gemeinden und Verwaltungsaufgaben überfordert und können die Mitglieder ihrer Gemeinde daher nicht mehr ausreichend betreuen.
  2. Gemeindemitglieder können sich nur schwer in die starren Kirchenstrukturen einbringen.

Hierdurch entsteht ein Riss zwischen den Gläubigen und Kirche. Um diesen zu flicken, müssen dringend die Pastoren entlastet werden und es einfacher werden, neue Impulse zu setzen. So zumindest das Fazit von Ammer und Strigl nach zahlreichen Gesprächen mit ehemaligen Mitgliedern.

1 Kommentar

  1. Gott gab uns 10 Gebote
    Wir Menschen sind zu blöd um bis 10 zu zählen
    Jesus gab uns nur 1 Gebot was alle Gebote beinhaltet!!!…
    Wir Menschen sind zu blöd und können noch nicht einmal bis 1 zählen!?!?!?
    Warum können wir nicht lieben ?
    Ich brauche keine Antwort darauf die sollte sich jeder selber geben!

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