Gebete im Christentum

Ein Kreuz auf einem Hügel wird von der Sonne beschienen

Zu Händen: Gott

Mutter Theresa hat es einmal sehr schön auf den Punkt gebracht, als sie sagte:

Der Mensch ist von Gott nie weiter entfernt als ein Gebet.

Das persönliche Gespräch mit Gott, das Gestehen der eigenen Ängste und der Wunsch nach einer besseren Welt. All das findet seinen Ausdruck in den Gebeten von Gläubigen aller Religionen. Doch wie steht es um die Gebete im Christentum? Welches sind die wichtigsten Gebete und gibt es eine „richtige“ Art zu beten?

Die „richtige“ Art zu beten

Gibt es als Christ eine „richtige“ und eine „falsche“ Art zu beten? Um dies zu beantworten, müssen wir uns zunächst einmal mit den Hintergründen des Betens beschäftigen. Denn es geht natürlich um deutlich mehr als das Vortragen einer persönlichen Wunschliste. Vielmehr geht es darum, Gott im alltäglichen Leben greifbar zu machen. Es geht zu einem großen Teil um das Zwiegespräch mit dem Herrn an sich und nicht nur um den eigentlichen Inhalt. Die Verbindung mit Gott alleine kann einem Menschen in schwierigen Zeiten Kraft geben und eine echte Stütze sein. Denn wer mit seinem Problem nicht alleine steht, muss seine Last auch nicht alleine tragen. Aus genau diesem Grund ist es auch nicht anmaßend für uns, mit unseren Anliegen vor Gott zu treten. Im Kern geht es nicht um die Kritik am göttlichen Plan, sondern um die Versicherung des göttlichen Beistandes.

Dies führt uns auch schon zum ersten Punkt: Gibt es einen besonderen zeremoniellen Rahmen, den man als Christ beim Gebet einhalten sollte? Die Meinungen mögen hier teilweise auseinander gehen, aber in einem Punkt sind sich denke ich so gut wie alle einig: Am wichtigsten ist, dass das Gebet ehrlich gemeint ist und mit ganzem Herzen gesprochen wird. Oft ist es üblich, sich beim Gebet auf die Knie zu begeben, um der eigenen Demut Ausdruck zu verleihen. Und im Prinzip ist diese Geste auch nicht negativ zu werten. Die Demut muss jedoch wirklich gespürt und verinnerlicht werden, das ist das Entscheidende. Genauso wie ein Lippenbekenntnis nichts nutzt, bringt auch ein Knien nichts, wenn es nicht wirklicher Demut entspringt. Worauf ich hiermit hinaus will: Wer seiner Demut auf diese Weise Ausdruck verleihen möchte, der macht nichts falsch. Genauso macht aber auch derjenige nichts falsch, der die Hände stehend zum Gebet verschränkt. Auch ein Neigen des Kopfes, ebenfalls vielerorts üblich, sehe ich nicht als zwingend notwendig an. Denn ein aufrecht gesprochenes Gebet signalisiert der Welt: „Ich spreche zu Gott und ich stehe dazu!“ Es ist die innere Haltung, die entscheidet, nicht die äußere! Gott blickt beim Gebet in unser Herz und nicht auf unseren Körper. Das gilt auch für das Kreuzzeichen. Dieses hat für unseren Glauben eine enorme historische Bedeutung und drückt mit simplen Mitteln eine ganze Menge aus, sollte aber nur verwendet werden, wenn man sich damit wohl fühlt. Viel zu viele Christen bekreuzigen sich nur um der Selbstdarstellung willen, was nicht der Sinn des Kreuzzeichens ist. Man sollte beim Gebet also die Haltung einnehmen, in der man sich wohl fühlt. So kann man sich komplett auf das Beten konzentrieren und seine gesamte Aufmerksamkeit auf die eigenen Worte lenken. Doch welche Worte soll man wählen?

Die Bibel bietet einige vorgefertigte Gebete an, allen voran das Glaubensbekenntnis, das üblicherweise bei jedem Gottesdienst gesprochen wird. Auch darüber hinaus gibt es viele sehr schön geschriebene Gebetsbücher. Doch ist die Verwendung dieser vorgegebenen Gebete obligatorisch? Sind Dinge wie das „Amen“ am Ende eines Gebetes elementar wichtig? Auch hier wird man auf unterschiedliche Interpretationen stoßen, aber in meinen Augen gilt hier dasselbe Prinzip wie bei der Wahl der Körperhaltung: Wichtig ist in allererster Linie, dass die Worte aufrichtig gemeint sind, die Wortwahl ist zweitrangig. Mein Kleiner sagt z.B. oft „Papa unser im Himmel“ und ich korrigiere ihn dabei nicht. Denn das Wort „Papa“ ist für ihn deutlich naheliegender als das Wort „Vater“. Er benutzt es nicht, um Spott oder Respektlosigkeit auszudrücken. Im Gegenteil, es ist Ausdruck seiner Liebe zu Gott. Den hat er nämlich genau so lieb wie seinen richtigen Papa.
Ich möchte damit aber keinesfalls die Bedeutung von Gebeten wie dem Vaterunser oder dem Ave Maria kleinreden. Diese sind nicht nur historisch gesehen von enormer Bedeutung, sondern sind neben der Zuwendung zu Gott auch gleichzeitig der Ausdruck der Zusammengehörigkeit und des gemeinsamen Glaubens, den wir Christen alle teilen. Wir signalisieren mit dem Glaubensbekenntnis z.B. nicht nur, dass wir an Gott glauben. Wir bezeugen damit auch, dass wir es gemeinsam tun. Zum einen dadurch, dass wir die Worte gemeinsam sprechen. Zum anderen dadurch, dass wir dieselben Worte sprechen. Der Zusammenhalt in der Gemeinschaft ist seit jeher fester Bestandteil des Christentums und es ist gut und richtig, dass wir uns diesen erhalten und ihm Ausdruck verleihen. Die Kraft eines gemeinsam gesprochenen Gebets, also das Gefühl, das dabei in der Luft liegt, das lässt sich nur schwer beschreiben. So greifbar wie hier wird Gott nur höchst selten.

Doch wie lang sollte so ein Gebet eigentlich dauern? Ist es in Ordnung, wenn man es „kurz und knackig“ hält? Oder ist eine gewisse Länge Pflicht? Ich denke, hier kommt es auf die Situation an. Wenn man sich nur abends kurz mit einem Gebet an Gott wenden möchte, um ihm zu danken, dann ist das völlig in Ordnung. Ein kurzes, ehrlich gemeintes „Danke“ ist deutlich besser als eine künstlich in die Länge gezogene Dankesrede. Wir sind hier schließlich nicht bei der Oscar-Verleihung. Wenn es aber um wirklich wichtige Themen gibt, die uns längere Zeit begleiten und ernsthaft beschäftigen, dann sollte das auch in der Länge des Gebets Ausdruck finden. Wenn es viel sagen gibt, aber nur wenig davon gesagt wird, kann das Gesagte nicht unglaublich wichtig für den Sprechenden sein. Gott weiß zwar bereits, was uns beschäftigt, aber das bewusste Vorbringen der eigenen Gedanken ist entscheidend. Es ist eine Sache, wenn einen Probleme verschiedenster Art beschäftigen. Sich mit seinem freien Willen dazu zu entscheiden, diese Probleme vor Gott zu tragen, das ist eine ganz andere Sache. Mit diesem an und für sich banalen Akt verleihen wir der Erkenntnis Ausdruck, dass wir das Problem ernst nehmen. Wir bekennen uns dazu, dass wir uns eine Änderung wünschen. Und wir bekommen im Gegenzug von Gott den Beistand, der uns dabei hilft das Problem anzugehen. Eine Lösung wird man nicht immer erreichen können, aber auch in der Niederlage ist Gott bei uns. Oder kurz gesagt: Wenn wir unsere Gebete vor Gott tragen, verlieren sie ihren Schrecken. Wie lang ein Gebet dauern sollte? Solange, bis man alles losgeworden ist, was einen beschäftigt.

Ist beim Gebet also alles erlaubt? Kann man tun und lassen, was man will, solange man es nur ehrlich meint? Dem würde ich energisch widersprechen! Denn ganz entscheidend ist beim Gebet auch die Regelmäßigkeit. Ich glaube zwar, dass Gott durchaus Verständnis dafür aufbringt, wenn Menschen sich nur in Zeiten der Not an ihn wenden. Aber es geht mir hierbei nicht darum, Gott gerecht zu werden. Das ist ohnehin ein unmögliches Unterfangen. Er weiß um unsere Fehlbarkeit und verzeiht daher Fehler, wenn sie nicht aus böser Absicht heraus erfolgen und wir eigentlich nur bestrebt waren, Gutes zu tun. Mir geht es vielmehr darum, mir selbst gerecht zu werden. Denn wie kann ich Gott lobpreisen für seine Schöpfung und seine Gnade, ihm andererseits aber nur dann huldigen, wenn es mir schlecht geht? Letztlich muss ich mich nicht nur vor Gott rechtfertigen, sondern auch vor mir selbst. Ich möchte nicht schlechten Gewissens vor Gott treten müssen, wenn meine Zeit auf dieser Welt vorbei ist. Daher ist für mich das tägliche Gebet wichtig und ich bringe auch meinem Sohn bei, jeden Abend vor dem Schlafengehen zumindest ein paar Worte an Gott zu richten.

Wer dabei auf traditionelle Gebetstexte zurückgreifen möchte, der kann das natürlich gerne tun. Im nächsten Abschnitt haben wir die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Die wichtigsten Gebete im Christentum

Das mit Abstand wichtigste Gebet im Christentum ist das Glaubensbekenntnis. Mit ihm bekennen wir uns als Christen und verpflichten uns den wichtigsten Glaubensparadigmen. Es ist fester Bestandteil jedes Gottesdienstes und verbindet damit unsere Wertegemeinschaft. Der Wortlaut dürfte zumindest grob jedem geläufig sein (auch Nicht-Christen), aber der Vollständigkeit halber sei er an dieser Stelle noch einmal zitiert.

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass Katholiken von der „heiligen katholischen Kirche“ sprechen und nicht von der „heiligen christlichen Kirche“. Ein marginaler Unterschied, der letztlich keinen wirklichen Unterschied macht, aber trotzdem erwähnenswert.

Auch sehr wichtig ist das Vaterunser. Auch dieses ist ein fester Bestandteil der meisten Gottesdienste und hat eine zentrale Bedeutung inne. Während das Glaubensbekenntnis sich in erster Linie auf uns Menschen bezieht, da wir schließlich unseren Glauben zum Ausdruck bringen, richtet sich das Vaterunser in erster Linie an Gott. Man könnte sagen: Die Kombination aus Glaubensbekenntnis und Vaterunser drückt sprachlich das Fundament des christlichen Glaubens aus, auch wenn das vielleicht ein wenig abgehoben klingen mag. Der Wortlaut ist wie folgt:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Besonders bei Katholiken ist auch das Ave Maria sehr beliebt. Nicht nur ist die Verehrung der Maria im katholischen Christentum viel tiefer verwurzelt als im evangelischen Christentum, auch im Rahmen der Beichte wird das Ave Maria sehr oft relevant. Es ist eines der typischen Gebete, die zur Reflektion eigener Sünden mehrfach wiederholt werden sollen.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen

Ebenfalls sehr beliebt bei Katholiken ist das Rosenkranzgebet. Die Perlenkette hilft vielen Menschen dabei, sich voll und ganz auf das Gebet zu konzentrieren. Der genaue Ablauf erfordert jedoch ein wenig Übung. Erst wenn dies in Fleisch und Blut übergegangen ist, kann das Rosenkranzgebet seine wahre Wirkung entfalten.

  1. Machen sie das Kreuzzeichen, begleitet von „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
  2. Sprechen sie das Glaubensbekenntnis
  3. Berühren sie die große Perle über dem Kreuz und sprechen sie das Vaterunser
  4. Wandern sie die Kette entlang weiter zur nächsten, kleineren Perle und sprechen sie:

    Gegrüßet seist du Maria, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, der in uns den Glauben vermehre.

  5. Wandern sie erneut mit den Fingern zur nächsten kleinen Perle und sprechen sie:

    Gegrüßet seist du Maria, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, der in uns die Hoffnung stärke.

  6. Berühren sie die letzte kleine Perle und sprechen sie:

    Gegrüßet seist du Maria, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, der in uns die Liebe entzünde.

  7. Berühren sie die nächste Perle, die wieder ein wenig größer ist, und sprechen sie:

    Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

  8. Wandern sie nun die Kette entlang von Perle zu Perle. Dabei bedeutet eine große Perle ein Vaterunser, eine kleine Perle ein Ave Maria und nach dem letzten Ave Maria (also bevor man die nächste große Perle berührt) wird noch einmal ein Schlusssatz gesprochen:

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

    Streng genommen wird hier nach jedem Ave Maria noch einmal ein Geheimnis angefügt. Hier gibt es jedoch unterschiedliche Versionen:

    1. Freudenreicher Rosenkranz
      • … den du, o Jungfrau vom heiligen Geist empfangen hast.
      • … den du, o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast.
      • … den du, o Jungfrau in Bethlehem geboren hast.
      • … den du, o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast.
      • … den du, o Jungfrau im Tempel wieder gefunden hast.
    1. Lichtreicher Rosenkranz
      • … Jesus, der von Johannes getauft worden ist.
      • … Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat.
      • … Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.
      • … Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
      • … Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.
    1. Schmerzhafter Rosenkranz
      • … der für uns Blut geschwitzt hat.
      • … der für uns gegeißelt worden ist.
      • … der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.
      • … der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
      • … der für uns gekreuzigt worden ist.
    1. Glorreicher Rosenkranz
      • … der von den Toten auferstanden ist.
      • … der in den Himmel aufgefahren ist.
      • … der uns den Heiligen Geist gesandt hat.
      • … der dich, o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat.
      • … der dich, o Jungfrau im Himmel gekrönt hat.

Ich hoffe, dass diese Übersicht wenigstens ein wenig hilfreich für den ein oder anderen war. Es handelt sich hier um ein so umfangreiches Thema, dass man ihm mit einem einzelnen Artikel gar nicht gerecht werden kann. Ich habe aber mein Bestes gegeben, um zumindest die wichtigsten Dinge nicht zu vergessen.

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