Das Glaubensbekenntnis

Worte von entscheidender Bedeutung

Glaubensbekenntnis

Glaubensbekenntnisse sind in den meisten Religionen in irgendeiner Form bekannt. Und das ist aus gutem Grund so, denn die Gründe für das Etablieren eines solchen Bekenntnisses sind mannigfaltig.

So drückt es, gerade wenn gemeinsam gesprochen, natürlich eine gewisse Form von Zusammenhalt aus. Wie straff dieser Zusammenhalt organisiert ist und wie weit die individuellen Ansichten dabei deckungsgleich sind, das ist selbstverständlich immer unterschiedlich. Und das nicht nur bei verschiedenen Religionen. Auch innerhalb derselben Glaubensgemeinschaft können von Gemeinde zu Gemeinde teils deutliche Unterscheide auftreten, ganz besonders wenn eine zentrale Institution mit Deutungshoheit nicht gegeben ist. Auch eine gewisse Wertschätzung der Gemeinschaft, die man zum Ausdruck bringt, schwingt natürlich mit und ist (hoffentlich) gewollt. Ohne eine Gemeinschaft hätte das Glaubensbekenntnis auch keinen so rechten Sinn. Denn es bringt ja auch zum Ausdruck, dass man öffentlich zu seinem Glauben steht und sich mit den Mitgläubigen verbunden fühlt.

Die Anzahl der verschiedenen Glaubensbekenntnisse ist kaum überschaubar, selbst wenn man sich nur auf die abrahamischen Religionen beschränkt. Das bekannteste christliche Glaubensbekenntnis ist wohl das apostolische Glaubensbekenntnis. (Manchmal auch Apostolikum genannt) Der Vollständigkeit halber wollen wir es an dieser Stelle noch einmal zitieren:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Obgleich apostolisch und von der apostolischen Kirche geprägt, findet es auch in der katholischen und evangelischen Kirche Verwendung. Der Glauben an Gott und das Bild des Erschaffers als Gott der Vater von allem sind ein Element, das über die Konfessionen hinaus Verbindungen erschafft.

Und obwohl das apostolische Glaubensbekenntnis sehr dominant in den meisten christlichen Strömungen vertreten ist, im Regelfalle sogar als fester Bestandteil jedes Gottesdienstes, gibt es natürlich noch einige Alternativen. Eine besonders kurze Variante, die aus dem Urchristentum stammt, ist ein simples:

Jesus ist der Herr

Dieses Statement hat jedoch insofern eine besondere Bedeutung, weil es zur damaligen Zeit nicht nur eine religiöse Zugehörigkeit ausdrückte, sondern auch politisch relevant war. Denn wenn der Kaiser als Gott verehrt wird, ist eine davon abweichende Monotheistische Religion aus naheliegenden Gründen nicht gerne gesehen. So manch einer starb für diesen einen Satz den Märtyrertod.
Auch in den Evangelien von Matthäus und Johannes finden sich teilweise Textstellen, die als Glaubensbekenntnis tauglich sind. Hier ein paar Beispiele:

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ – Mt 16,16

„Mein Herr und mein Gott!“ – Joh 20,28

Herr, ja, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ – Joh 11,27

Da diese Textstellen jedoch aus dem Zusammenhang gerissen deutlich an Wirksamkeit verlieren, haben sie sich nie wirklich im Glaubensalltag durchsetzen können. Trotzdem bleiben sie in ihrer Deutlichkeit und Bedeutung für die Evangelien als Ganzes in jedem Falle relevant. Ein Zitat von Paulus ist jedoch auch ohne Kontext schon sehr viel deutlicher:

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:

Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift, und ist begraben worden.

Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,

und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“ – 1 Kor 15,3

Im Endeffekt wird hier in Kurzform die zentrale Grundlage des Christentums auf den Punkt gebracht: Die Auferstehung von Jesus Christus. Diese kann durchaus für sich selst stehen und hat auch ohne Kontext eine enorme Aussagekraft. Aber unterm Strich reichte auch dies nicht aus, um die Textstelle dauerhaft als Glaubensbekenntnis in Verwendung zu halten.
Auch vor allem in der Anfangszeit des Christentums relevant war der Christushymnus:

„Er, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode,

ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes, des Vaters.“ – Phil 2,6

Die Göttlichkeit von Jesus wird hier nahezu überdeutlich herausgestellt. Genau wie sein Opfer und die Bedeutung desselbigen. Aus heutiger Sicht ist die Aussage eventuell ein bisschen zu sehr auf die Etablierung einer Hierarchie aus, was meiner Einschätzung auch der Hauptgrund dafür ist, dass die Textstelle heute kaum noch als Glaubensbekenntnis genutzt wird. Spannend und lesenswert bleibt sie aber allemal. Ein bisschen pointierter und weniger auf Hierarchie getrimmt ist eine vergleichbare Stelle in 1 Tim 3,16:

Er ist offenbart im Fleisch,

gerechtfertigt im Geist,

erschienen den Engeln,

gepredigt unter den Heiden,

geglaubt in der Welt,

aufgenommen in die Herrlichkeit.

Hier wird ein sehr positives Bild von Jesus gezeichnet, das sich in erster Linie auf die positiven Aspekte seiner Herkunft und seines Wirkens konzentriert. Dass es sich trotzdem nicht durchzusetzen vermochte liegt wohl am starken Fokus auf Jesus, der so heftig ausgeprägt ist, dass Gott überhaupt nur implizit mit angesprochen wird und keine direkte Nennung erfolgt. So wichtig Jesus aber auch ist, er ist nicht wichtiger als Gott.

Damit wären die wichtigsten Zitate aus der katholischen und evangelischen Kirche auch schon abgearbeitet. In den orthodoxen Kirchen sind aber wiederum ganz andere Glaubensbekenntnisse populär bzw. populär gewesen.
Da wäre zum Beispiel das Glaubensbekenntnis, das im Konzil von Chalcedon erarbeitet wurde:

Wir folgen also den heiligen Vätern und lehren alle übereinstimmend: Unser Herr Jesus Christus ist als ein und derselbe Sohn zu bekennen, vollkommen derselbe in der Gottheit vollkommen derselbe in der Menschheit, wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch derselbe, aus Vernunftseele und Leib, wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns derselbe der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] aus Maria, der jungfräulichen Gottesgebärerin, der Menschheit nach, ein und derselbe Christus, Sohn, Herr, Einziggeborener in zwei Naturen unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt zu erkennen, in keiner Weise unter Aufhebung des Unterschieds der Naturen aufgrund der Einigung, sondern vielmehr unter Wahrung der Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen und im Zusammenkommen zu einer Person und einer Hypostase, nicht durch Teilung oder Trennung in zwei Personen, sondern ein und derselbe einziggeborene Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus, wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns im Symbol der Väter überliefert ist.

Der beinahe schon sachliche Ton dieses Bekenntnisses kann auf den ersten Blick durchaus befremdlich wirken. Inhaltlich wird aber unfassbar viel auf kleinstem Raum ausgesagt. Man möchte dem Text beinahe schon eine lexikalische Genauigkeit unterstellen. Und wenn ein Glaubensbekenntnis sehr präzise ausdrückt, was geglaubt wird, dann ist das auch irgendwie ein Qualitätsmerkmal.

Weitere Glaubensbekenntnisse in der Orthodoxen Kirche kamen unter anderem von Gennadios Scholarios und Petro Mohyla.

Das Judentum kennt insbesondere zwei spezielle Textstellen, die als Glaubensbekenntnis fungieren können und haben. Ein etwas ausführlicheres Credo geht bis in die frühesten Anfänge des Judentums zurück:

„Ein umherziehender Aramäer war mein Vater; er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als Fremdling mit wenigen Angehörigen auf; aber er wurde dort zu einem großen, starken und zahlreichen Volk. Doch die Ägypter misshandelten uns; sie quälten uns und legten uns harten Frondienst auf. Da schrieen wir zu JHWH, dem Gott unserer Väter. JHWH erhörte unser Rufen und sah unsere Qual, unsere Mühsal und Bedrängnis. Und JHWH führte uns heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm, mit großen, furchterregenden Taten, mit Zeichen und Wundern. Er brachte uns an diesen Ort und gab uns dieses Land; ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“Deuteronomium 26,5-9

Interessant ist hier vor allen Dingen die Darstellung Gottes. Statt der Güte steht seine Stärke und die Größe seiner Taten im Vordergrund. Besonders der Vergleich mit christlichen Glaubensbekenntnissen ist natürlich hochinteressant, da der Paradigmenwechsel durch das Neue Testament sehr deutlich erkennbar ist. Deutlich kürzer, aber ebenfalls ungeheuer wichtig, ist das „Schma Jisrael“:

„Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft.“

Auffällig ist hier vor allem, dass das Bekenntnis nicht nur die Form eines Gelöbnisses hat, sondern auch eine direkte Aufforderung dazu enthält, Gott zu ehren. Das ist ein wenig befremdlich, da das Judentum ja im Gegensatz zum Christentum keinen Missionierungsgedanken kennt. Es wird jedoch speziell das erwählte Volk von Israel angesprochen, das in diesem Fall wohl stellvertretend für die Anhänger des Judentums steht. Die Aufforderung bezieht sich also nur auf diejenigen, die sowieso schon glauben.

All das ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Man könnte sich noch viele andere christliche und jüdische Glaubensbekenntnisse anschauen, die aus dem Islam haben wir in diesem Artikel komplett vernachlässigt. Eines lässt sich aber abschließend feststellen: Ein Glaubensbekenntnis verrät uns in den meisten Fällen unheimlich viel über die Gruppe, die es spricht.

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