Gott der Allmächtige

Ein paar Gedankenspiele zu Allmacht

Kreuz unter strahlender Sonne

Problem Allmacht

Mit der Allmacht ist das so eine Sache. Das Konzept klingt erst einmal recht simpel, hat aber ein paar tückische Fallstricke mit eingebaut. In der klassischen Theologie drückt sich das z.B. in der Theodizee-Frage aus, aber selbst in der Popkultur wird die Thematik (teils humoristisch) aufgegriffen. Mein Ältester (mittlerweile ausgezogen) schaute abends oft „Die Simpsons“, eine animierte Trickserie mit manchmal etwas fragwürdigem Humor. Einen Scherz fand ich jedoch damals ziemlich treffend. Da wurde die Frage aufgeworfen, ob Gott ein Brathähnchen so heiß machen kann, dass er selbst sich den Mund daran verbrennt. Das Witzchen kommt recht dümmlich und banal daher, trotzdem musste ich laut lachen. Denn ebendieses Thema hatte mich schon manches Mal beschäftigt.
Kann Gott eine Ereigniskette in Gang setzen, die er selbst nicht mehr aufhalten kann? Egal ob man nun mit ja oder nein antwortet, in beiden Fällen wäre Gott nicht mehr allmächtig. Wenn er nicht dazu in der Lage ist, etwas anzustoßen, das er selbst nicht mehr aufhalten kann, dann ist er in seinem Handeln eingeschränkt und besitzt keine Allmacht. Umgekehrt ist er aber auch dann nicht allmächtig, wenn er nicht in der Lage ist, die angestoßenen Ereignisse abzuwenden. Auf die eine oder andere Weise entstehen immer Schranken für das göttliche Wirken, die einem christlichen Gottesbild zu widersprechen scheinen.
Ganz allgemein gesprochen scheint Allmacht ein widersprüchliches Konzept zu sein, bei dem man sich zwangsläufig in Widersprüche verstrickt. Ist das Konzept eines allmächtigen Gottes also unsinnig? Sollten wir unsere Glaubensparadigmen entsprechend anpassen und in Zukunft nur noch von einem „sehr mächtigen“ Gott reden, statt von einem allmächtigen Gott?
Ganz im Gegenteil. Was Gott definiert ist ja gerade, dass wir Menschen sein Wesen nicht in Gänze erfassen können. Gott ist die Vereinigung der Gegensätze, die Zusammenführung dessen, was nicht zusammengeführt werden kann. In ihm bilden scheinbare Gegenpole eine harmonische Einheit, die sich in seiner Liebe zu seiner Schöpfung ausdrückt.
Wir können mit unserem begrenzten Verstand keine allumfassenden Konzepte begreifen. Weder sind wir dazu in der Lage, Allmacht in all ihren Facetten zu verstehen, noch können wir uns die unendlichen Weiten des Universums mit all seinen Millionen Sternensystemen auf einmal erfassen. Die Schönheit und die Besonderheit Gottes liegen darin, dass sein Wesen so groß und so mächtig ist. Wir können davon immer nur einen kleinen Teil betrachten, wodurch wir oft denken Widersprüche auszumachen, die in Wirklichkeit keine sind.

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