Kleine Bibelkunde: Hiob

Ominöse Wette oder treffendes Gleichnis?

Bessere Welt hinter dem Vorhang

Ein ungerechter und grausamer Gott?

Wem die Geschichte von Hiob nicht geläufig ist, für den fasse ich sie an dieser Stelle kurz zusammen:
Gott und Satan gehen in dieser Erzählung eine Wette ein. Bei dieser Wette geht es um die Treue des Bauern Hiob zu Gott. Vereinfacht gesprochen behauptet Satan, dass Hiob nur deshalb gläubig ist, weil er ein erfülltes Leben mit einem gut laufenden Hof, einer Frau und mehreren Kindern hat. Hätte er all dies nicht, würde er auch nicht am Glauben festhalten. Gott hält dagegen und zeigt sich überzeugt, dass Hiob ihm auch ohne all das die Treue halten würde.
Im Verlauf der Geschichte verliert Hiob nun durch Satans Wirken nach und nach seine Frau, sein Vieh, seine Kinder und seinen Hof. Zuletzt verliert er sogar noch seine Gesundheit, ihm wachsen eitrige Beulen und er leidet starke Schmerzen. Nur seinen Glauben erhält er sich bis zuletzt aufrecht.
Nachdem Gott nun also seine Wette gewonnen hat, belohnt er Hiob für seine Treue und lässt ihn nicht nur gesunden, sondern schenkt ihm einen neuen Hof mit noch mehr Vieh und eine neue Frau mit genauso vielen Kindern wie vorher.

Auf den ersten Blick wirkt das alles recht zynisch. Ein gütiger Gott, der nur aufgrund einer Wette einen guten Gläubigen derartigen Strapazen aussetzt? Passt das irgendwie zusammen? Die jähzornige Natur des alttestamentarischen Gottes ist ja beileibe nichts Neues, man muss sie nur zu interpretieren wissen. Denn der jähzornige Charakter und der teils achtlose Umgang mit Menschenleben sind unterm Strich dem historischen Kontext geschuldet. Die Geschichten der Bibel sind, da muss ich leider kurz ein Klischee bedienen, am Ende des Tages nämlich zu großen Teilen Gleichnisse. Und wer in einer rauen Welt wohnt, in der er täglich ums Überleben kämpfen und hart arbeiten muss bzw. diese Gruppe erreichen will, der muss starke und deutliche Metaphern verwenden. Subtile und feinsinnige Gleichnisse hätten zur Zeit des Alten Testaments keinerlei Wirkung in der Breite der Bevölkerung entfalten können. Es musste eine deutliche und leicht verständliche Bildsprache her, die man ohne große Umstände predigen konnte.
Zugegebenermaßen ist da manch ein Autor auch mal über das Ziel hinausgeschossen, aber eine böse Absicht muss hinter derartigen grausamen Bildern nicht unbedingt stecken. Ob die Bibel mit ihrer Bildsprache im Fall Hiob zu weit gegangen ist? Ich bin mir an dieser Stelle ein wenig unsicher.

Denn die Bedeutung ist auch Jahrtausende später noch sehr deutlich abzulesen: Selbst wenn man alles verliert, hat man immer noch den Glauben. Und wenn man an diesem festhält, wird sich letztlich alles zum Guten wenden. Mehr noch: Dadurch, dass Hiobs Leid nicht auf eine selbstverschuldete Tat zurückgeht, wird eine Grundannahme diverser altorientalischer Religionen abgelehnt. Nämlich die, dass jegliches Leid eine Bestrafung für vorangegangene Sünden sein muss. Der Fall Hiob zeigt aber jedem Christen deutlich auf, dass selbst der gutherzigste und treueste Mensch auf Erden vom Schicksal hart getroffen werden kann. Eine extrem wichtige Erkenntnis.
Der Hof, die Frau und die Kinder sind in dieser Geschichte nicht als authentische Akteure zu sehen. Das merkt man schon daran, dass sie nur am Rande erwähnt werden und selbst keinerlei Agenda im Rahmen der Geschichte haben. Sie stehen als Symbol für ein zufriedenes und glückliches Leben, das zur damaligen Zeit (und auch heute) jeder sofort verstanden und erfasst hat.

Das einzige Problem, das ich persönlich mit der Geschichte von Hiob habe: Gott tut nichts für den Schutz von Hiob. Er sieht einfach nur dabei zu, wie Satan diese Leben immer weiter zerstört. Mehr noch: Im Rahmen der Wette nimmt er es billigend in Kauf.
Man könnte hier argumentieren, dass die Geschichte ebenfalls aufzeigen soll, dass Gott Satan an seinen Machenschaften zwar nicht hindern, aber die Ergebnisse seiner Taten lindern kann. (Worüber man noch einmal einen ganz eigenen Artikel schreiben könnte) Aber irgendwie fühlt sich dieser Aspekt der Geschichte für mich irgendwie nicht richtig an, besonders mit der Theodizee-Frage im Hinterkopf. Das kann durchaus an mir liegen.

Wer sich tiefer in das Thema einlesen möchte, dem sei der Artikel von bibelwissenschaft.de zu Hiob wärmstens empfohlen.

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