Kleine Bibelkunde: König David – Teil 2

Die Flucht vor Saul und der Weg zum Königtum

König David

Letzte Woche haben wir schon einen kleinen Blick auf die Anfänge der Geschichte von König David geworfen. Heute setzen wir kurz nach seiner Flucht vor König Saul an, der ihn aus Neid um seinen Ruhm zu töten versucht hatte.

Verfolgt von 3000 speziell ausgewählten Soldaten schlägt David sich eine Zeit lang als Anführer einer Bande durch, die Verfolger ständig auf seinen Fersen. Doch die Situation löst sich nicht durch eine epische Schlacht auf, sondern auf beinahe schon banale Weise und das mehr oder weniger nur aus einem puren Zufall heraus.
Als König Saul eine Höhle aufsucht, um einem privaten Bedürfnis nachzugehen, sucht er sich dafür ausgerechnet die Höhle aus, in der Davis sich mit seiner Bande versteckt. Statt aber über den König herzufallen, schneidet der unbemerkt ein Stück vom Gewand des Herrschers ab. Dieses präsentiert er kurze Zeit später als Zeichen seiner Treue und Beweis dafür, dass er Saul ohne Probleme hätte töten können. Bewegt von dieser Geste schließt auch Saul sich der Vorhersage von Samuel an und verkündet, dass David nach ihm selbst König werden wird.
Die beiden Männer gehen friedlich ihrer Wege, sollten sich aber erneut über den Weg laufen. Um erneut seine Überlegenheit zu beweisen, schleicht David sich in Sauls Lager und entwendet dessen persönlichen Wasserkrug und Spieß. Im Internet nennt man so etwas, das hab ich neulich gelernt, einen Troll. Die Sache scheint also irgendwie Tradition zu haben.
Ganz ohne Sinn ist dieser Teil der Erzählung natürlich nicht. Damit kommen wir auch wieder an einen Punkt, an dem man sich durchaus kritisch mit der Bibel auseinandersetzen muss. Denn hier geht es letztlich nur um eine Sache: Das Königtum von David zu legitimieren. Es wird immer wieder herausgearbeitet, dass David von vornherein zum König bestimmt war. Auch seine Überlegenheit gegenüber Saul wird mehrfach betont. Zudem wird Davids Rechtschaffenheit mit der angeblichen Niedertracht von Saul kontrastiert. David ist der Held, dem alles gelingt und der stets ehrenvoll handelt. Saul schmiedet Mordkomplotte, lässt sich an der Nase herumführen und verkündet gar Davids Königschaft selbst. Die Botschaft ist klar: David ist verdientermaßen König geworden, legitimiert durch seine Taten und auch den alten König. Und ganz nebenbei kommt der alte König in der Erzählung auch noch extrem schlecht weg.
Trotz alledem ist natürlich immer noch das Motiv des Rechtschaffenen, dessen Taten belohnt werden, allgegenwärtig. Komplett ohne moralische Aussagekraft ist auch dieser Teil der Geschichte damit nicht.
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass David im Zuge der Erzählung bis hierher durchaus hin und wieder menschliche Schwächen zeigt. Das ist für eine Erzählung über einen König aus der damaligen Zeit nicht gerade üblich. Zumindest bis hierher wird aber dennoch eindeutig ein Kontrast zu Saul aufgebaut.

Sauls Herrschaft endet schließlich, als er im Kampf gegen die Phillister zusammen mit seinem Sohn fällt. Ohne einen legitimen Thronfolger wird David als neuer König über sowohl den Nord- als auch den Südstamm gesalbt, womit die nächste Phase im Leben von David beginnt.
Ich persönlich frage mich an dieser Stelle ja immer, wie sich wohl der Sohn von Saul gefühlt haben muss. Der eigene Vater prophezeit einem anderen die zukünftige Herrschaft. Das würde mich als ersten der Thronfolge extrem nachdenklich stimmen.
Wie der Rest von Sauls Familie auf die Krönung Davids reagierte und was die ersten Schritte seiner Regentschaft waren, das schauen wir uns nächste Woche an.

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