Kleine Bibelkunde: König David – Teil 3

Die Folgen der Macht

König David

In den vergangenen beiden Wochen haben wir uns mit der Jugendzeit, den ersten Heldentaten, der Flucht und dem Aufstieg zum König von David beschäftigt. Heute schauen wir uns an, was er nach seiner Krönung tut und wie sich sein Charakter durch die neu erlangte Herrschaft ändert.

Als eine der ersten Amtshandlungen erobert David Jerusalem und macht sie zu seinem persönlichen Krongut, also seinem persönlichen Besitz. Die Heilige Stadt als Privateigentum zu beanspruchen, das lässt schon erste Ansätze einer Veränderung in seinem Handeln erkennen.
Eventuelle Widersacher, unter anderem die Nachkommen vom ehemaligen König Saul, trickst er entweder mit politischen Manövern aus oder bindet sie über verliehene Ämter an sich.

Nicht genug damit, dass er Jerusalem zu seinem Privateigentum gemacht hat, lässt er schließlich auch noch die Bundeslade nach Jerusalem bringen. Womit er auch diese mehr oder weniger als persönlichen Besitz beansprucht.
Auch das ist ihm jedoch nicht genug, diverse Eroberungskriege werden geführt und gewonnen. Die Bestrebungen Davids münden in einem Großreich, das sich von Baalbek über Moab und das Rote Meer bis hin zum Mittelmeer erstreckt.
Hier wird sehr schön herausgearbeitet, dass Macht letztlich oft nur in dem Verlangen nach noch mehr Macht endet. Die Herrschaft Davids wird zwar nicht ausdrücklich negativ konnotiert und nicht dergestalt beschrieben, dass die eroberten Gebiete auf grausame Weise unterdrückt werden, aber dass bei all diesen Eroberungen auch die persönliche Gier eine Rolle spielt, wird nicht unter den Teppich gekehrt. Eine erstaunlich differenzierte Darstellung, die beim Lesen selbst heute noch sehr authentisch erschein. Ein König, der zwar durchaus versucht, ein guter König zu sein, aber gleichzeitig das Verlangen nach mehr Macht nicht in den Griff bekommt. Da ließen sich bestimmt auch zur Politik der Gegenwart sehr gut Parallelen finden.

Eine weitere Sache, die König David im Laufe der Geschichte so gar nicht in den Griff bekommt, ist sein Verlangen nach dem weiblichen Geschlecht. Besonders hervorstechen tut hier die Affäre mit der bereits verheirateten Bathseba. Als diese nämlich schwanger wird, während ihr Ehemann Urija an der Front kämpft, findet sich David in einer misslichen Lage.
Um eventuellen Peinlichkeiten vorzubeugen, bestellt er Urija zurück nach Jerusalem. Der Plan sieht vor, dass der Offizier zu Hause nächtigt und deshalb dann später davon ausgeht, dass das Kind sein eigenes sei. Urija weigert sich jedoch, auch nur die Türschwelle zu seinem Haus zu übertreten. Als Grund hierfür gibt er an, dass ihm das Recht dazu nicht zusteht, da es seinen Kameraden auf dem Schlachtfeld ebenfalls verwehrt ist. Ob das nun der wirkliche Grund ist oder er das Spiel von David durchschaut, das wird in der Erzählung nicht eindeutig klar.
Umso klarer wird jedoch der drastische Schritt beschrieben, den David als nächstes geht: Er lässt Urija an die vorderste Front versetzen, damit dieser im Gefecht stirbt. Und dieses Mal geht der Plan auf. Urija fällt und David heiratet Bathseba. Sie ist seine insgesamt achte Frau, um das nur mal am Rande angemerkt zu haben.

All seinen Mängeln zum Trotz bleibt David in der Erzählung der Liebling Gottes. Als Bestrafung bleibt die Errichtung des Jerusalemer Tempels für David ein unerfüllter Traum, aber darüber hinaus erfolgt keine größere Strafe. Diesen Teil der Geschichte muss man wieder mit Blick auf die etwas heftigeren Gleichnisse des AT lesen. Letztlich geht es darum, dass Gott unsere Verfehlungen vergibt, wenn wir insgesamt versuchen, das Richtige zu tun. Gleichzeitig erinnert es uns aber auch daran, dass für unsere Sünden eine Strafe auf uns wartet.

Das Ende von David ist schließlich recht unspektakulär. Er stirbt, mehreren Umsturzversuchen zum Trotz, eines natürlichen Todes. Kurz zuvor ernennt er noch Salomo zu seinem Nachfolger, was weitreichende Konsequenzen haben wird. Doch das heben wir uns für die nächste Artikelreihe auf.

Nächste Woche beschäftigen wir uns als Abschluss unserer kleinen Reihe zu König David mit seiner Relevanz für das Neue Testament und das Christentum allgemein sowie mit seiner Bedeutung für den Islam und die Geschichtsforschung.

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