Kleine Bibelkunde: Offenbarung des Johannes

Wie ist die biblische Apokalypse zu werten?

Ödland mit dramatischem Himmel

Über kurz oder lang musste es wohl so kommen: Wir widmen uns einer der kontroversesten Schriften in der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Unabhängig davon, wie man nun seinen Inhalt bewertet, kommt diesem Buch eine besondere Bedeutung zu. Es ist die einzige prophetische Schrift im Neuen Testament und damit der einzige Blick auf die Endzeit, der uns aus dem Urchristentum erhalten ist.

Verfasser der Offenbarung des Johannes

Der Verfasser ist bis heute nicht zweifelsfrei identifiziert. Der in der Vergangenheit oft angenommene Glaube, es handele sich um den Apostel Johannes persönlich, ist heute kaum noch verbreitet. In erster Linie sprechen der Stil des Werkes und die Datierung gegen diese These. Aber wie das mit der Bibel nun mal so ist: So genau weiß man es dann am Ende des Tages nicht. Viel wichtiger ist doch, was in diesem Buch geschrieben steht, nicht welchen Autoren genau Gott nun zum Verfassen der Schrift inspiriert hat. Schauen wir uns den also mal an.

Inhalt der Offenbarung des Johannes

Eine umfassende Inhaltsangabe ist gar nicht so einfach, denn die Offenbarung des Johannes ist beileibe nicht stringent durcherzählt. Und ich möchte auch direkt vorweg klarstellen, dass ich mit diesem Buch so ein paar kleine Probleme habe. Dies beginnt schon im ersten Vers:

Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan.

Wir lesen also einen Text von Johannes, der ihn von einem Engel hat, der ihn wiederum von Jesus hat, welcher ihn seinerseits von Gott hat. Der Gedanke an das Kinderspiel „Stille Post“ drängt sich mir da durchaus auf. Das mag aber daran liegen, dass mein Kleiner da gerade total verrückt nach ist.
Spaß beiseite, die wichtigsten inhaltlichen Eckpunkte der Offenbarung sind in meinen Augen die folgenden:

  • Es geschehen immer wieder Katastrophen wie Kriege, Hungersnöte, Inflation, Seuchen oder Ähnliches. Die Tendenz ist dabei eindeutig nach unten. Die Lage wird immer schlimmer.
  • Es treten vermehrt Herrscher auf, die sich selbst als göttliche Instanz ein- und damit Jesus zu ersetzen versuchen. Die Beschreibungen und die Bildsprache schreiben diesen Machthabern dabei eindeutig die Funktion als Antichrist, also als Verkörperung Satans, zu.
  • Am Ende trägt Jesus den Sieg davon und richtet über alles Irdische, womit die Apokalypse ihr Ende nimmt.

Das ist jetzt eine recht grobe Zusammenfassung, durch den intensiven Gebrauch von Bildsprache und den beinahe schon wirren Stil entzieht sich die Offenbarung des Johannes aber in gewisser Weise einer klassischen Inhaltsangabe. Für viele Ereignisse wird nicht einmal die zeitliche Abfolge eindeutig herausgearbeitet. Manches könnte sowohl in der Vergangenheit bereits passiert sein als auch in der Zukunft liegen.
Welche Aussage nun genau hinter dem Text steht, das ist bis heute umstritten. Wie hat Luther es so schön auf den Punkt gebracht:

Mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken.

Es gibt jedoch vier Deutungsansätze, die am häufigsten anzutreffen sind:

  1. Präterismus
    Dieser geht davon aus, dass sich die Vorhersagen der Offenbarung bereits im ersten Jahrhundert nach Christus erfüllt haben. Das erscheint mir jedoch bei den heftigen Szenarien, die im Buch beschrieben werden, als nicht sehr plausibel.
  2. Historische Auslegung
    In dieser geht man davon aus, dass der Text symbolisch die weitere Entwicklung der Kirchengeschichte vorweg nimmt. Das ist schon deutlich schlüssiger als der Präterismus, aber wegen der schwammigen Form des Buches nicht die Auslegung meiner Wahl.
  3. Futuristische Auslegung
    Dieser Auslegungsansatz geht davon aus, dass es sich bei dem Buch tatsächlich um die Beschreibung zukünftiger Ereignisse handelt. Auch das halte ich wegen des stellenweise unpräzisen Stils für nicht unbedingt schlüssig.
  4. Idealistische Auslegung
    Hier wird davon ausgegangen, dass die beschriebenen Szenarien bildhaft zur Darstellung allgemeiner Punkte zum Antichristen genutzt werden. „Es ist ein Gleichnis“ mag zwar ein Klischee sein, passt aber in meinen Augen noch am besten als Auslegungsansatz in diesem Fall.

Natürlich wird dieser kleine Einblick dem extrem komplexen Thema nicht vollends gerecht. Aber unsere „Kleine Bibelkunde“ soll auch vielmehr ein Einstiegspunkt für das eigene Bibelstudium sein. Ich hoffen, dass ich Ihnen für die Offenbarung des Johannes ein paar hilfreiche Denkansätze und Eckdaten mitgeben konnte. Trotz meiner persönlichen Vorbehalte ist die Lektüre des Buches nämlich eines mit Sicherheit: Interessant.

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