Martin Luther in Rom

Eine Pilgerreise mit schwerwiegenden Folgen

Vielen Menschen ist nicht geläufig, dass es Martin Luther tatsächlich einmal nach Rom verschlagen hat. Nicht einmal 30 Jahre alt war er, als er in die Hauptstadt des christlichen Glaubens kam. Und fern waren ihm damals noch alle Gedanken an eine Reformation. Luther als papsttreuer Christ auf Pilgerreise in Rom. Wenn man nur die Reformationsgeschichte ab dem Moment des Thesenanschlags kennt, schwer vorstellbar. Und doch beginnt die Geschichte der Reformation auf ebendieser Rom-Reise, die viel zu oft beim Erzählen der Geschichte weggelassen wird.

Das heißt aber nicht, dass Luther damals keine Kritik im Gepäck hatte. Es ist zwar nicht abschließend gesichert, aber viele Quellen sprechen von einer Protestnote des Augustinerordens, die Luther auf seiner Reise bei sich trug und dem Vatikan im Namen seines Ordens übergeben haben soll. Ob es tatsächlich so war, werden wir wohl nie mit abschließender Sicherheit sagen können. Denn unterm Strich war Luther zum damaligen Zeitpunkt nur ein Pilger unter vielen und damit zu unwichtig, als dass sein Besuch in irgendeiner Form akribisch dokumentiert worden wäre.
Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann: Der Besuch sollte ihn entscheidend prägen und das Fundament für seine Reformbestrebungen bilden. Ob nun die Reaktion auf den angeblich mitgebrachten Beschwerdebrief oder etwas anderes Luther verärgerte, ist damit leider auch pure Spekulation. Sicher ist aber, dass nach der Pilgerreise jegliches Vertrauen in den heiligen Stuhl verloren war. Und es ist ausreichend dokumentiert, dass die umfangreichen Baumaßnahmen, finanziert durch den Ablasshandel, nicht gut bei Luther ankamen. Besonders deutlich zeigt sich dies, wenn man an spätere Äußerungen denkt, in denen Luther Rom als „Hölle“ bezeichnete. Sein tiefgehendes Misstrauen gegenüber Rom fand auch stellenweise Einzug in seine Predigten. So sagte er in Bezug auf die Scala Santa ,die angeblich durch ein Wunder nach Rom gelangte heilige Treppe, nachdem er sie erstiegen hatte:

Aber als ich oben ankam, dachte ich: Wer weiß, ob es wahr ist

Ebenso sehr bekannt ist sein Ausspruch im Konflikt mit der Kirchenspitze:

Gibt es eine Hölle, so steht Rom darauf.

Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass der Name Luther heute in Rom allgegenwärtig ist. Sei es nun der Facchino-Brunnen, der angeblich Luther als Wasserträger zeigen soll oder der Luther-Platz auf dem Colle-Oppio-Hügel. In gewisser Weise hat Martin Luther mittlerweile Rom für sich eingenommen und sein Name ist Teil der Stadt geworden. Was er dazu wohl sagen würde?

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