Die 5 Weltreligionen und ihre Rolle in der Welt

Illustration der heiligen Familie und der drei Könige

Dialog ist wichtig, Verständnis noch wichtiger!

Die zunehmenden Spannungen mit radikalen Islamisten in der letzten Zeit bereiten mir wirklich Sorge. Nicht nur sind die Vorkommnisse verstörend, sie liefern auch einigen rechtsgerichteten Gruppierungen eine Steilvorlage dafür, die Terrorakte einzelner Extremisten allen Muslimen anzulasten und damit eine Agenda des Hasses zu schüren. Dass die Mehrheit der Muslime friedlich ist und diese Taten ebenso scharf verurteilt, das geht im allgemeinen Mediengewitter immer sehr schnell unter, nicht zuletzt weil es sich weniger gut verkauft als allgemeine Panikmache.
Daher ist es ganz besonders wichtig, die Rolle der einzelnen Weltreligionen zu verstehen und das Gesamtbild immer im Hinterkopf zu behalten. Nur so können wir für unsere Kinder eine Welt hinterlassen, die vom friedlichen Miteinander geprägt ist.

Was ist eine Weltreligion?

Der Begriff „Weltreligion“ ist nicht eindeutig definiert und kann unterschiedlich verwendet werden. Klassischerweise wird damit die Gruppe aus Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum bezeichnet. Die hierfür grundlegende Definition berücksichtigt nicht nur die Zahl der Anhänger, sondern auch das Alter der Religionen und deren kulturellen Einfluss über die Jahrtausende. Nur dadurch wird das Judentum mit zu den Weltreligionen gezählt, die Zahl der Anhänger ist verglichen mit anderen Religionen nämlich verhältnismäßig gering.

Oft wird in leicht erweiterten Definitionen auch der Daoismus zu den Weltreligionen gezählt, da er ebenfalls sehr viele Anhänger hat. Da diese sich aber im chinesischen und koreanischen Raum konzentrieren, wird der Daoismus besonders in Europa und Amerika oft unterschlagen. Teils geschieht das auch unter Verweis auf die ungesicherten Daten zur Zahl der Anhänger, da viele religiöse Mischformen existieren, die als separate Sekte anzusehen sind.

Eine Liste mit weiteren Religionen, die über die Weltreligionen hinausgeht, finden Sie in diesem Artikel: Unterschiedliche Religionen.

Wie weit sind die Weltreligionen verbreitet?

Die mit Abstand am weitesten verbreitete Religion ist das Christentum. Mit insgesamt 2,3 Milliarden Anhängern weltweit spielt es in nahezu allen Ländern der Welt zumindest eine kleine Rolle. Diese Vormachtstellung ist historisch bedingt, da weltweit über Jahrhunderte hinweg sehr aggressiv missioniert wurde. Von den Kreuzzügen bis hin zu den westlichen Kolonien in Afrika wurde oft ohne Rücksicht auf Menschenleben der „einzig wahre Glaube“ verbreitet. Als moderner Christ kann man auf diese Gräueltaten nur mit Scham zurückblicken, aber letztlich wurde das Christentum hier meistens für politische Zwecke instrumentalisiert.

Die zweitgrößte Religion ist der Islam mit 1,6 Milliarden Anhängern auf der Welt. Auch hier geht die weite Verbreitung auf jahrhundertelange, aggressive Missionierung zurück. Mit Ruhm hat sich in der Vergangenheit wirklich keine Religion bekleckert. Interessant ist, dass der Islam sich besonders während der Kolonialzeit im Windschatten des Christentums ausbreitete. Die europäischen Besatzer etablierten eine bessere Infrastruktur (z.B. Eisenbahnen), was den Zugang zum Innenland auch für muslimische Händler und Missionare erleichterte.

Die drittgrößte Weltreligion ist der Hinduismus, der insgesamt 940 Millionen Anhänger zählt. Die hohe Verbreitung erklärt sich vor allem dadurch, dass er eng mit dem indischen Kastensystem verflochten ist, das gesellschaftlich nach wie vor großen Einfluss hat. Aber auch in Nepal und Bali stellen die Hindus die Mehrheit der Gesellschaft.

Der Buddhismus ist die viertgrößte Weltreligion mit etwa 460 Millionen Anhänger weltweit. Die Ursprünge der Religion liegen in etwa in der Zeit um 400 vor Christus und sie wurde besonders in der Anfangszeit zwar gewaltfrei, aber sehr aktiv in alle Himmelsrichtungen verbreitet.

Last but not least wäre das Judentum zu nennen, das jedoch nur 15 Millionen Anhänger weltweit für sich verbuchen kann. Das ist verglichen mit den anderen 4 Weltreligionen nicht viel, aber nicht zuletzt da es sich hier um das Fundament für Christentum und Islam handelt, ist das Judentum nach wie vor relevant und hat sich den Status als Weltreligion mehr als verdient.

Die Gemeinsamkeiten der Weltreligionen

Es sind vor allem drei Dinge, die alle Weltreligionen verbinden:

  1. Die Annahme eines oder mehrerer metaphysischer Wesen, die nicht den physikalischen Gesetzen unserer Welt unterliegen. Im Regelfalle sind dies ein oder mehrere Götter, im Falle des Buddhismus eher Mechanismen wie das Karma.
  2. Eine heilige Schrift, in der die Grundsätze der Religion entweder in abstrakter oder direkter Form festgehalten sind. Die Natur dieser Schrift ist teils sehr unterschiedlich und reicht von rein symbolischen Narrativen über Chroniken und Briefe bis hin zu direkten Gottesdiktaten.
  3. Es wird ein universeller Geltungsanspruch gestellt. Das heißt die Regeln der eigenen Religion gelten für alle Menschen gleichermaßen, ob sie nun Teil des Glaubens sind oder nicht. Besonders dieser Punkt birgt ein enormes Konfliktpotential, speziell in Kombination mit einem Missionierungsgedanken.

Wenn wir gerade schon beim Missionierungsgedanken sind, kommen wir nun zu den Unterschieden zwischen den Weltreligionen. Missionierung ist nämlich nicht in jeder fest verankert.

Die Unterschiede zwischen den Weltreligionen

Mir geht es an dieser Stelle gar nicht so sehr um die eigentlichen Glaubensgrundsätze, sondern vielmehr um den religiösen Rahmen, in dem sie stattfinden. Buddhismus, Hinduismus und Judentum verzichten zum Beispiel auf aktive Missionierung, im Gegensatz zum Christentum und dem Islam. Nicht zuletzt dadurch ergeben sich dann auch die oben bereits erwähnten Unterschiede in der Ausbreitung. Im Falle des Judentums kommt die Verfolgung der Religion (nicht nur zur Zeit des dritten Reiches) noch einmal erschwerend hinzu, das soll an dieser Stelle aber nicht Thema sein.

Ein weiterer fundamentaler Unterschied besteht in der Art und Weise, wie die Heilige Schrift in den jeweiligen Religionen gesehen wird. Der Islam nimmt hier eine besondere Stellung ein, da der Koran als das eindeutige Wort Gottes gesehen wird, überbracht durch den Erzengel Gabriel. Dadurch bekommt der Text und ganz besonders der genaue Wortlaut eine viel größere Bedeutung, was sich in der Position des Hafiz ausdrückt, für den es in den meisten anderen Religionen keine Entsprechung gibt. Ein Hafiz kann den gesamten Koran aus dem Gedächtnis rezitieren, je nach Erfahrung teilweise sogar beinahe fehlerfrei. Diese Fähigkeit ist allgemein sehr hoch angesehen in muslimischen Kreisen und häufig wird diese schon von Kindesbeinen an trainiert.

Der Buddhismus wiederum nimmt dahingehend eine Sonderposition ein, dass er im Kern atheistisch ist. Das mag zunächst einmal paradox klingen, aber weder sah Buddha sich selbst als Gott, noch behauptete er zu irgendeinem Zeitpunkt, dass seine Weisheiten dem Verstand eines Gottes entstammen würden. Es gibt zwar einige metaphysische Elemente in seiner Lehre, aber aktiv handelnde Götter finden sich dabei nirgendwo wieder. Dies ist unterm Strich sehr ungewöhnlich für eine Religion.

Die hier genannten Punkte kratzen natürlich nur an der Oberfläche des Themas und ich werde mit Sicherheit noch einmal auf einige erwähnte Punkte in zukünftigen Artikeln im Detail eingehen. Die zentrale Erkenntnis ist aber: Es gibt massive Unterschiede darin, wie Religion gesehen, gelebt, definiert und praktiziert wird. Und das damit einhergehende Potential für Missverständnisse darf man keinesfalls außer Acht lassen, wenn man friedlich miteinander umgehen möchte.

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